2022


Sechstes Jahr : 714 nm, Sumlog: 18938nm

Juli 2022


Genauso warm

26.7.2022 -  Seit knapp einer Woche liegt graskarpfen gut vertäut in der Marina Imperia und wir kümmern uns um Jürgens Vater und unser Hausprojekt. Es ist hier fast genauso warm wie in Italien, laue Nächte im Biergarten sind auch nicht soo schlecht ;-)

Sommer

15.7.2022 - Puh, ist das heiß. Nein, das ist nicht der Klimawandel, das nennt sich Sommer und hier an der Cote d´Azur, oder Riviera di Ponente, wie sie ab Italien heißt, kann der sehr schwül, heiß und windarm sein. Im Winter ist dieser Küstenabschnitt der mildeste des nördlichen Mittelmeeres, es schneit nur einmal in 10 Jahren. Eine Nacht ankere ich in der Bucht von Villefranche vor dem Kap Ferrat, eine weitere kurz vor Menton und dann geht es nach Italien für eine Nacht vor San Remo. Immer, wenn ein Windhauch das Segeln möglich macht, geht es weiter. Villefranche ist schön, Menton noch schöner und das Feuerwerk zur Einleitung des französischen Nationalfeiertages (Sturm auf die Bastille) ist grandios. Bei uns wäre sofort die Feinstaubpolizei angerückt, hier haben viele Boote den Pulverdampf genossen.

Les Îles de Laurins

12.7.2022 - Es ist Hauptsaison und es ist voll. Nahezu 100% französische Boote, es geht alles sehr ruhig und freundlich vor. In den Buchten ist die Geschwindigkeit auf 5kn limitiert, eine kluge Maßnahme, die alle Jetskifahrer draussen hält. Nach einem Tauch- und Paddlestop vor der Île d´Or fällt der Anker zwischen den beiden der Stadt Cannes vorgelagerten Inseln. Und die Empfehlung von alten Freunden, dass es hier ein Pizza-Boot gibt erfüllt sich, wie nett, kein Kochen und die Pizza schmeckt lecker. Am nächsten Morgen mache ich einen Spaziergang über die Île St. Honorat. Welch wunderbare Stille und Natur ganz in der Nähe der Großstadt. Am frühen Nachmittag versuche ich nochmal das Segelglück: bei 5-9kn Wind geht es in Schleichfahrt weiter Richtung Kap Ferrat.

Spannend ist der Skulpturenpark von Jason deCaires Taylor mit etwa 3m hohen Köpfen, die ein wenig an die Statuen der Osterinseln erinnern. Sie stehen auf 5m Wassertiefe und sind frei erschnorchelbar. Es heißt Écomusée - keine Ahnung warum - aber wenn heutzutage nicht Eco draufsteht, gibt´s wohl kein Geld mehr.

Klar

11.7.2022 - Heute morgen sind die Würfel gefallen und ein Liegeplatz für 4 Wochen in Imperia ist gebucht. Es geht also weiter Richtung Osten, heute mit einem ganz besonderen Liegeplatz: Zwischen den Îles de Lérin, ganz in der Nähe des Pizza-Katamarans. Eine Pizza Reine und ein Desperado sind schon geordert. Es ist zwar voll, aber trotzdem wunderschön hier. Nachtrag: Lecker!

Unklar

10.7.2022 - Unklar sind nicht die Schoten und Fallen des Schiffes, die sind sauber aufgeräumt, unklar ist die Planung der nächsten Wochen. Ein gesundheitliches Problem in der Familie wird mich wohl in den nächsten 14 Tagen wieder nach Deutschland fahren lassen. Die letzte Woche waren Petra und Boris an Bord, ein Paar, das im Port Navy seinen Alu-Katamaran aufbaut und das wir dort kennengelernt haben. Schön, dass Ihr Beiden Zeit zum Mitsegeln hattet!  Wir sind die Küste entlanggetingelt, waren im Vieux Port von Marseille, den Calanques und sind dann von La Ciotat über Toulon bis Porquerolles gesegelt. Letzteres in der Hochsaison ist auch mal eine Erfahrung ;-). Fotografiert habe ich kaum, kenne ja alle Orte schon, deshalb für die Augen einfach mal das, was hier überall auf dem Wasser ist: Segelboote. AIS und Radar sind immer an, die Gefahr jemand zu übersehen ist wirklich groß.

Weiter geht´s

1.7.2022 - Pünktlich wie vorhergesagt um 24:00 kam der Mistral zurück und blies mit gut 25kn in die Bucht. Für den Anker eine leichte Übung, aber es baute sich derart Welle auf, dass an ein Anlanden mit dem  Dinghi nicht zu denken war. Also Anker auf und Kurs auf eine ruhigere Bucht: die bewährte Anse du Verdon bei Port Carro. Die Fahrt ging mit meist 10kn Fahrt im 2. Reff gut voran. Morgen dann in die Bucht von FOS und abends Treffen mit Petra und Boris - tagsüber vielleicht doch ein wenig Kiten.

30.6.2022 - Gestern ging es mit Zug und Bus in 11h recht angenehm zurück nach La Grande Motte. Die Bushaltestelle befindet sich fast direkt beim Restaurant Marin Sol, wo ich mit Anja und Patrick von der Anam Cara verabredet war. Eine Pizza und zwei Biere später ging es dann auf´s Boot. Am nächsten Morgen große Wäsche, die Sandverwehungen entfernen, verproviantieren im Lidl, bezahlen beim Hafenmeister und dann Kurs auf den Surfstrand bei St. Marie de la Mer. Als ich ankam war der Wind nur noch schwach, also erst mal Erkundungstour mit dem Dinghi und zu Fuß. Im Hinterland der Sandküste gibt es die Siedlung Beauduc, eine Ansammlung von Datschen, improvisiert aus allen möglichen Materialien, mit dem Charme einer alten Westernstadt. Fensterflügel schlagen im Wind, niemand ist auf der Strasse, aber ein paar der Häuser scheinen durchaus dauerhaft bewohnt zu sein.

Zurück zum Strandleben

Juni 2022


Zurück nach La Grande Motte

17.6.2022 - Das Wetter hat den Wetterbericht geschlagen: Vorgestern und gestern gab es guten Wind, wenn auch aus der falschen Richtung. Aber dagegen helfen ja die Schwerter zum Kreuzen, nur eben mit doppelter Strecke. Gestern Abend hat graskarpfen in der schönen Camarque-Bucht am Pointe de Beauduc geankert. Quasi im Niemandsland der Carmarque, aber es gibt hier einen tollen Kitestrand mit Sideshore Bedingungen und Sicherheitsfaktor durch die gekrümmte Form der Bucht. Ist vorgemerkt für die Rückkehr in 2 Wochen. Heute morgen ging es um 7:00 weiter, erst mal Richtung Port Camargue zum Einkaufe im Uship-Shop und dann vor Anker bei LGM, dort hat graskarpfen ab morgen einen Platz in der Marina für knapp 2 Wochen.

  • Kurzer Flug mit der Drohne

  • Viele Fischer sind hier aktiv

  • Marschland

1000 km

14.6.2022 - Vor  La Ciotat verbringen wir 2 Nächte und treffen uns mit den Crews der Petite Jolie und der Seawitch. Letztere lag in unserer Nähe am Ankerplatz bei Hyeres. Gestern Mittag ist Silvia nachhause geflogen, unsere Baustelle und andere Themen machten es leider erforderlich. Nun trennen uns 1000 km und eine Woche, denn spätestens am Montag muss auch ich dann noch mal nach Deutschland. Gestern Abend hat mich graskarpfen noch in eine Traumbucht der Calanques - Morgiou - gesegelt und heute war SUP und Wandern angesagt. Morgen geht es weiter, vermutlich im Schleichgang, alle Wetterberichte bis auf einen sind sich einig, dass das ein Fall für die Eisengenua wird. Erst am Samstag soll es wieder vernünftig wehen. Was mal wieder beweist: beim Segeln macht der Wind die Termine.

Und mal wieder: La Ciotat

11.6.2022 - Der erste Tag vor Hyeres war ordentlich windig, für einige Stunden so um 35 kn und das Meer hat - wie immer - dem Wind gehorcht und ordentlich Welle am Ankerplatz gemacht. Am nächsten Morgen weht nur noch ein laues Lüftchen und wir segeln im Regattamodus gegen Susanne und Chris auf ihrer getunten Fontaine Pajot Richtung La Ciotat. Respekt: Die beiden Boote geben sich trotz des Längenunterschiedes nichts. Am Ende entscheidet der Kurs und der Kapeffekt bei Toulon. Am Ankerplatz kommen wir gemeinsam an, die letzten 1 1/2h mussten wir die Eisengenua nutzen. In La Ciotat fühlen wir uns schon richtig heimisch, einfach eine schöne unprätentiöse Stadt, ein toller Ankerplatz und wunderbare Gassen im Schatten der riesigen Werftkräne. Ohne den Boom der Megayachten gäbe es hier nur Tourismusarbeitsplätze, das neue Geschäftsfeld hat der Stadt richtig gut getan und alleine in den 6 Jahren in denen wir als Segler hierherkommen, hat sich viel entwickelt.

  • Werft in La Ciotat

  • Das neue Dock

  • Schön ist es hier

  • Anse du sec

  • Tour Fondue

  • Die Einfahrt des Zuges in den Bahnhof von La Ciotat

Petite Jolie

8.6.2022 - In zwei Etappen verlegen wir graskarpfen mit freundlicher Unterstützung angenehmen achterlichen Windes in den Osten der Halbinsel von Hyeres. Hier treffen wir Susanne und Chris mit ihrer Petite Jolie. Susanne und Chris haben uns im Winter 2016 von Barcelona bis Tarragona begleitet, vor 3 Jahren ihr Boot gekauft und seitdem haben wir uns mehrmals beinahe getroffen. Jetzt hat es endlich geklappt, was einige Ankerbiere und die Weinvorräte der Petite Jolie nicht überlebt haben. In Debatten über den Zustand der Welt finden wir viele Gemeinsamkeiten, nebenbei wird Seemannsgarn (muß man das Gendern?) gesponnen. 

Sailing Days

4.-6.6.2022 - Das erste Mal, dass wir auf eigenem Rumpf an der jährlichen Regatta von Outremer teilnehmen. Wir wollten das immer schon tun, waren aber nie in der Nähe. Inzwischen ist so viel Zeit vergangen, dass wir das älteste Boot der anwesenden 25 Katamarane sind. Am Vorabend stoßen Irmi und Winni zu uns, wir freuen uns sehr über die Gesellschaft und die helfenden Hände. Dann geht es los: Um 9:00 Briefing, um 10:00 ablegen und Sammeln an der Startlinie, dann kommt der 5-Minuten Countdown bis zum Start. Nicht immer ganz einfach für uns, denn die überwiegende Menge der Ansagen kommt in Landessprache. Aber es gibt gute Handouts mit Koordinaten der Tonnen und eingezeichneten Kursen. Außerdem eine Reihe schnellerer Boote, die uns den Weg weisen. Ein weiteres kleines Handicap war das Fehlen unseres Windmessers - dankenswerterweise hat Outremer diesen am Pfingstmontag noch ersetzen können. Neben uns gab es nur drei weitere 48 Füßer, alle anderen Boote waren 51, 55 oder 60 Fuß lang. Es gab jeden Tag drei Läufe mit teilweise unterschiedlichen Kursen über Distanzen von wenigen Meilen. Tag 1 Schwachwind, Tag 2 mit bis zu 18kn und Tag 3 wieder eher schwach. Das Gedrängel beim Start und an den Bojen hat uns ziemlich gestresst, auch Taktik bei der Regatta müssen wir eindeutig noch üben, wir waren aber angenehm überrascht, wie gut graskarpfen mithalten konnte.

Holpriger Start

1.6.2022 - Gerade ist ein wenig der Wurm drin: Heute morgen fiel beim Ablegen die linke Maschine aus. Gestern lief sie eine Viertelstunde klaglos, jetzt scheint die Versorgung mit Diesel blockiert. Wir fahren aus dem Kanal heraus und ankern erst einmal. Da Analyse und Reparatur etwas dauern kann, beschließt Silvia, das Auto schon mal nach St. Marie de la Mer zu bringen. Sie kommt aber nur bis zur Fähre, dann spinnt die Elektronik wieder. Also zurück auf Los, weiter im Diesel baden, nach zwei Stunden läuft der Jockel wieder. Ehrlich gesagt, war ich mit der Wartung der Filter etwas im Rückstand. Jetzt liegt Kurs an auf St. Marie de la Mer, knapp 9 kn Fahrt unter Code 0 bei wenig Welle entschädigen für die Mühen des Morgens. Den wahren Wind kennen wir nicht, der scheinbare Wind mit dem Handmessgerät liegt bei 10 kn. Wir ankern 2h später vor dem Hafen, etwas ungemütlich, aber drinnen ist kein Platz mehr frei - und wofür haben wir denn einen Katamaran. Netterweise kommen Wind und Welle aus der gleichen Richtung, so dass wir nicht rollen.

Mai 2022


31.5.2022 - Die Wartezeit auf die Reparatur des Slipwagens haben wir mit einer Einkaufstour gefüllt. Um 15:30 war danach weiterhin unklar, ob es heute mit dem Wassern klappen würde. Doch gegen 17:00 ging dann alles ganz schnell und reibungslos über die Bühne. Im Wasser haben wir noch den Aussenborder montiert, der zunächst scheinbar Zicken machte und nicht anspringen wollte. Nach Säubern der an sich sauberen Zündkerzen kam dann die Erleuchtung: Mit Zündschlüssel geht es besser: Beim ersten Zug lief der 2-Takter wie ein Uhrwerk. Auch der Wassermacher scheint noch zu funktionieren, nach den ersten 100 Litern zeigt sich ein Meßwert von 360 ppm, das ist nicht übel. 

Morgen früh werfen wir die  Leinen los und freuen uns auf den ersten Schlag.

Nach Gefühl ...

30.5.2022 ...  werden wir segeln müssen, w e n n der graskarpfen wieder ins Wasser kommt. Der Windmesser ist defekt, das Plastikgehäuse ist nach 5 Jahren einfach geplatzt und das hat die Elektronik nicht überstanden. B&G, da könnt ihr nachbessern! Im Übrigen wieder etwas gelernt - the hard way: Das Ding lässt sich mit Schnellkupplung abnehmen und hätte die Winter in der stürmischen Camargue nicht aushalten müssen.  Aber auch der hydraulische Slipwagen, der uns heute um 16:30 zurück in das natürliche Habitat unseres Bootes bringen sollte, ist leider defekt. Eine Lagoon 450 hat ihm wohl das Rückgrat gebrochen und nun ist erst mal unklar, wann und wie wir ins Wasser kommen.

Ansonsten ist alles wieder aufgeklart und geprüft:

- Fock und Groß angeschlagen-
- Rigg kontrolliert
- Impeller eingebaut und Maschinen probegelaufen
- Verbesserter SailnSea Controller installiert
- Rettungsinsel gewartet und installiert
- EPIRB mit neuer Batterie
- Neue Gasflasche angschlossen
- Küche eingeräumt
- Dinghi in Arbeitsposition

und natürlich Boot geputzt, d.h. 2 Runden mit Kärcher und Schrubber. Jetzt ist es wieder weiß, ruft aber nach Politur. Zeit für einen Spaziergang in der Camargue gab es auch noch - auf verwunschenen Pfaden entlang der Priele und mit Ausblicken auf das Stahlwerk von Fos.


25.5.2022 - Drei Monate sind wir nun auf Tauchstation und immer noch in Deutschland. Wir haben viel an unserem Bauprojekt auf dem Land gearbeitet und natürlich einiges unternommen. Zwischendurch Omikron abgewettert, Auto über den TÜV gebracht und uns über Besuche gefreut. Nun planen wir, bis nächsten Samstag alles soweit zu bringen, dass wir den Hammer fallen lassen und nach Frankreich fahren können. Am Montag ist ein Termin für´s Kranen geplant, hoffentlich klappt alles. Den Zustand der Welt versuchen wir auszublenden, ohnmächtig zusehen macht keine Freude.

Februar 2022


27.2.2022  Wir haben beschlossen, diesen Blog zu pausieren. Angesichts des Dramas in der Ukraine erscheint uns dieses Tagebuch schöner Erlebnisse unangemessen. 

"Der Wahnsinn, wenn er epidemisch wird, heißt Vernunft" Oskar Panizza

Januar 2022


Zwei Jahre durfte Silvia nach Ihrer Wirbelsäulen-OP nicht Skilaufen. Jetzt waren wir zwei Tage im Allgäu und haben das Wetter und den Neuschnee genossen.

Pläne

Segeln ist oft am schönsten, wenn man nach dem Motto "Der Plan ist, keinen Plan zu haben" leben kann. Im Mittelmeer ist das fast uneingeschränkt möglich, unzählige gute Ankerplätze, gute Wetterberichte, kaum Tide und die Freiheiten des Schengen-Raumes machen das Segeln problemlos. Und die oft wechselnden, auch mal heftigen Winde und eher steilen Wellen sorgen für durchaus ordentliche seemännische Herausforderungen.

Trotzdem besitzen auch die großen Teiche eine spezielle Anziehungskraft. Für dieses Jahr haben wir Ideen, die wir aber noch nicht Pläne nennen wollen. Sicher ist, dass wir sobald wie möglich wieder auf den graskarpfen wollen.

Das wollen wir wieder haben!

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